Leseprobe aus "Erzleute"

Sprecher: Der Bergmannsberuf, das wird in vielen Erzählungen ehemaliger Hauer, Steiger, Förderer oder Maschinisten deutlich, war für sie etwas Besonderes. – Die Knappen verstanden sich als eine eingeschworene Gemeinschaft, erfüllt vom Stolz auf ihren Berufsstand.

 

Folgt Otöne: Arbeitsklima unter Tage (Collage)

 

Erster Bergmann: „Eins vermisse ich aber, und das ist die Kameradschaft, die unter Tage geherrscht hat, die war wirklich einmalig. Auch wenn man dann nach der Ausfahrt auseinandergegangen ist; aber unter Tage war man beieinander, man war Kumpel, weil eben das Leben des einen vom anderen abhängig war. Die Gefahr, die unter Tage geherrscht hat … und dadurch war das ein Zusammenhalten, was ich einfach sonst nicht mehr erlebt habe.“

 

Zweiter Bergmann: „Die Arbeitsbedingungen waren so: der Bergmann ist ziemlich frei. Und das Verhältnis war gut zwischen Steiger, Betriebsführung und Belegschaft, das war prima. Also, ich bin gern dahingegangen und glaube, die sind alle gern dahingegangen.“

 

Dritter Bergmann: „Und auch das Arbeitsklima als solches ist sehr sehr gut gewesen, gerade im Bergbau. Ich habe später, nach der Stilllegung, in einem Betrieb gearbeitet, da war dieses Klima nicht mehr so vorhanden, wie es der Bergmann eigentlich gewohnt war. Und es war schon eine große Umstellung für jeden einzelnen von den Bergleuten, die nun in einen anderen Betrieb hineinkamen. Sie konnten sich da erst gar nicht so recht wohlfühlen, denn man hatte eine freie Meinung, man konnte sich das einteilen und man machte auch die Arbeit, denn arbeiten musste man schließlich ja überall.“

 

Vierter Bergmann: „Die Untertagearbeit hat sich wesentlich unterschieden von meiner heutigen Tätigkeit. Es war eine sehr gute Zusammenarbeit, wir haben uns Kumpel genannt und das sind wir auch gewesen in guten und in schlechten Zeiten. Es war für uns damals eine schöne Arbeit. Wenn man das jetzt im Nachhinein sieht, dann müssen wir manchmal sagen, es war eine schwere und auch eine nicht so schöne Arbeit, die doch gesundheitlich vielen zu schaffen gemacht hat, heute noch.“

 

Fünfter Bergmann: „Ich war hier Jugendsprecher/Jugendvertreter der Erzbergbau Siegerland AG, und ich habe angenehme, schöne Erinnerungen, weil ich immer wieder feststellen konnte, dass die Verbundenheit, die Gemeinschaft der Bergleute, doch sehr, sehr stark war.“

 

 

Sprecher: Dank seiner gewaltigen Erzlagerstätten waren das Siegerland, Teile des benachbarten Kreises Altenkirchen sowie des angrenzenden Kreises Neuwied einmal die bedeutendste Montanregion Europas. Erzgruben förderten den Rohstoff, Eisenhütten erschmolzen das Roheisen, Walzwerke stellten Bleche her. Auch zahlreiche Zulieferbetriebe für diese Industriezweige waren hier beheimatet.

 

Erhältlich als E-Book und als Hörbuch. Beim E-Book handelt es sich um das Studio-Manuskript aus der Hörbuchproduktion.